Westfalenblatt „Leonie Giebel lebt ihren Traum“

Boxen: Studentin aus Bielefeld will sich im März 2019 zur Weltmeisterin küren

Leonie Giebel lebt ihren Traum

Zweifache Deutsche Meisterin und Europameisterin: Im März 2019 boxt Leonie Giebel (rechts) um den WM-Gürtel.
Foto: Klaus Frevert

Zweifache Deutsche Meisterin und Europameisterin: Im März 2019 boxt Leonie Giebel (rechts) um den WM-Gürtel.

Von Arndt Wienböker

Bielefeld?(WB). Leonie Giebel hat einen Traum – und der soll im März 2019 in Erfüllung gehen. Dann will sich die Profiboxerin aus Bielefeld zur Weltmeisterin küren. »Das war immer mein größtes Ziel. Ich werde alles dafür tun, um den WM-Titel zu holen«, sagt die 26-Jährige.

Leonie Giebel ist zweifache Deutsche Meisterin der Verbände BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) und GBA (German Boxing Association). Im Juni 2017 feierte sie ihren bislang größten sportlichen Erfolg. Durch ihren Sieg gegen Maja Milenkovic kürte sie sich in Paderborn zur Europameisterin der WBF (World Boxing Federation) im Superfedergewicht (bis 58,9 Kilogramm).

Doch die Boxerin will mehr. »Es war immer mein Traum, einmal Weltmeisterin zu werden. Diesen Traum will ich mir erfüllen.« Diesem großen Ziel ordnet die Studentin alles andere unter. »Boxen erfordert physische und psychische Stärke und ganz viel Disziplin.« All das verkörpert die Veganerin. Acht Trainingseinheiten pro Woche sind normal. Hinzu kommt das Sparring im Vorfeld der Kämpfe. »Die mentale Vorbereitung und die Ernährung sind enorm wichtig. Ein paar Wochen vor dem Kampf muss ich in Topform sein.«

Auch von Rückschlägen lässt sich Leonie Giebel nicht unterkriegen. Nach dem Gewinn des EM-Titels musste sie sich einer Operation am Handgelenk unterziehen, um danach noch stärker zurückzukommen.

»Dieser Sport erfüllt mich«

Giebels sportliche Heimat ist die Sportschule Tosa Inu in Lemgo, wo sie seit Beginn ihrer Profilaufbahn mit Trainer Kai Gutmann zusammenarbeitet. Ihren ersten Profikampf absolvierte sie im März 2011, seitdem stehen zwölf Siege und ein Unentschieden in ihrer fast makellosen Bilanz. »Als ich das erste Mal zum Boxen gegangen bin, war mir klar, dass ich dabei bleiben werde. Dieser Sport erfüllt mich von oben bis unten«, erklärt die ehrgeizige Boxerin.

Leonie Giebel stammt aus einer kampfsportbegeisterten Familie. Im Alter von sieben Jahren fing sie mit Ju-Jutsu an. »Dann habe ich eine neue Herausforderung gesucht und sie beim Boxen gefunden.«

Seit 2013 wohnt Leonie Giebel in Bielefeld, wo sie ihr Studium der Sportwissenschaften in Psychologie und Bewegung vorangetrieben hat. »Ich habe mittlerweile meine Bachelor-Arbeit abgegeben und werde mich hoffentlich bald Sportwissenschaftlerin nennen können.« An der Uni Bielefeld bietet sie zudem über den Hochschulsport Boxkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. »Die sind meistens rappelvoll«, freut sich die umtriebige Kursleiterin.

Nichts dem Zufall überlassen

Um im Wettkampfmodus zu bleiben, wird die Europameisterin am 8. Dezember noch einen Aufbaukampf in Lemgo absolvieren. Der 23. März 2019 soll dann der größte Tag in ihrer Karriere werden. Dann kämpft sie im Porsche-Zetrum Paderborn um den vakanten WM-Gürtel der GBC. Dabei will Leonie Giebel nichts dem Zufall überlassen: »Sobald meine Gegnerin feststeht, werde ich mich intensiv mit ihr beschäftigen. Das erfordert auch eine gute mentale Vorbereitung.«

In der deutschen Rangliste im Superfedergewicht wird das 1,67 Meter große Energiebündel aus Bielefeld bei »Boxrec« auf Position zwei geführt, in der Weltrangliste aktuell auf Platz 22. »Es gibt auf diesem Niveau im Frauenboxen leider nur wenig Konkurrenz. Das ist schade. Ich würde mir wünschen, dass mehr Frauen den Mut aufbringen, Profi zu werden.« So wie Leonie Giebel, die ihren Traum lebt…